Nahrungsmittel-Intoleranzen

Ernährungstherapie bei Nahrungsmittelintoleranzen

Ernährungstherapie bei Nahrungsmittelintoleranzen (Bildquelle: ©Devanath/pixabay)

Wenn gesunde Nahrungsmittel krank machen.

Viele Betroffene vermuten hinter ihren Beschwerden oft eine Nahrungsmittelallergie. Doch bei Durchfall, Blähungen und Bauchschmerzen können auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten eine Ursache sein.

Häufige Symptome im Zusammenhang mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind:

  • Magen-, Darmstörungen | Verstopfung, Durchfall, Reizung des Darms, Übelkeit, Sodbrennen
  • Dermatologische Prozesse | Ekzeme, Schuppenflechte, Hautjucken, Neurodermitis
  • Neurologische Störungen | Kopfschmerzen, Migräne, depressive Verstimmungszustände
  • Atembeschwerden, Asthma | Schnupfen und Husten, chronische Sinusitis
  • Psychologische Störungen | Angstzustände, Depressionen, Reizbarkeit, chronische Müdigkeit
  • Weitere Störungen | Fibromyalgie, Gelenkschmerzen und Gelenkentzündung (Arthritis), Immunschwäche

Nicht allein auf Listen vertrauen

Ist die Diagnose Nahrungsmittelunverträglichkeit gestellt, sind die Betroffenen meist erleichtert, denn viele leiden sehr lange unter Beschwerden bevor eine Diagnose gestellt wird. Zunächst hört es sich einfach an, der Pauschalempfehlung aus Internet oder Laienliteratur zu folgen, Gluten, Weizen, Laktose, Fruktose, Histamin etc. zu meiden. Schwieriger wird es dann bei der Umsetzung, denn dann kommen die Fragen: Was kann ich denn nun essen und was nicht? Und welche Menge eines bestimmten Nahrungsmittels ist noch verträglich? Nur über eine richtige Ernährungsumstellung kann eine Verbesserung der Symptomatik erzielt werden.

Ablauf Ernährungstherapie

1. Schritt: Gesundheits- und Ernährungsanamnese

2. Schritt: Beratungsschwerpunkte festlegen

3. Schritt: Beratungszeitraum definieren

4. Schritt: Umsetzung und Dauerernährung

Inhalte der Ernährungstherapie

1. Schritt: Eine genaue Anamnese ist die Grundlage für weiteres Vorgehen

Eine ernährungstherapeutische Beratung beginnt mit der Erfassung Ihrer jetzigen Ernährung und den vorhandenen Beschwerden bzw. Erkrankungen.

  • Sichtung aller Labor- und Untersuchungsergebnisse. Mitgebrachte Befunde helfen, die Ausgangssituation besser zu bewerten.
  • Ausschluss oder Berücksichtigung von bisher nicht erkannten Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Berücksichtigung der aktuellen Medikamenteneinnahme
  • Auswertung des mitgebrachten Ernährungs- und Symptomtagebuchs. Dieses erleichtert, Zusammenhänge zwischen Ernährung und Beschwerden aufzudecken. Ihre Ernährungsgewohnheiten zeigen den Weg, um eine für Sie passgenaue Lösung zu erarbeiten.
  • Identifikation von Stressauslösern
  • Individuelle Zieldefinition der Ernährungstherapie

2. Schritt: Beratungsschwerpunkte definieren

Das diätetische Gesamtkonzept und die Beratungsschwerpunkte sind abhängig von der individuellen Problematik und der Diagnose.

In der Beratung erfahren Sie Zusammenhänge zwischen der nicht verträglichen Substanz im Lebensmittel und der Gesamternährung. Neben Informationsvermittlung steht die dauerhafte Ernährungsumstellung im Mittelpunkt mit dem Ziel, den gesunden und genussvollen Umgang mit dem Essen zu sichern.

  • Präzise Anleitung zur Vermeidung der Beschwerden auslösenden Nahrungsmitteln bzw. Nahrungsmittelbestandteile unter Berücksichtigung individueller Verträglichkeiten
  • Anleitung für eine praktische und schmackhafte Eliminationskost
  • Aufbau der therapeutischen Diät in Schritten mit dem Ziel, am Ende einen individuellen Ernährungsplan in den Händen zu haben
  • Essen unterwegs in Restaurants, im Urlaub, bei Freunden

3. Schritt: Beratungszeitraum definieren

In Einzelsitzungen werden Sie persönlich beraten und begleitet. Die Dauer des Beratungszeitraums ist von dem Ziel abhängig, das Sie erreichen möchten.

4. Schritt: Umsetzung und Dauerernährung

Das wichtigste Ziel der Ernährungstherapie bei Nahrungsmittelintoleranzen ist eine langfristig möglichst große Lebensmittelauswahl. Einschränkungen sollen nur vorgenommen werden, wo wirklich notwendig. Damit kann eine Fehl- oder Mangelernährung vermieden und die Lebensqualität hoch gehalten werden.

Die drei Phasen des Therapiekonzeptes

Karenzphase

Sie erhalten – je nach Diagnose – eine Positivliste an Lebensmitteln, die Sie essen dürfen. Darüber hinaus bekommen Sie wichtige Informationen für die Gesamternährung und die Aufteilung der Nährstoffe bei den Mahlzeiten. Die Karenzphase dauert ca. 3-4 Wochen und hat zum Ziel, die Symptome zum Abklingen zu bringen.

Testphase

Sie erhalten eine spezielle Liste für den Kostaufbau mit präziser Anleitung, um ihre individuelle Toleranzgrenze für einzelne Lebensmittel zu ermitteln. Diese Phase dauert 6-8 Wochen und geht fließend in die Langzeiternährung über.

Langzeiternährung

Langfristig hat eine bedarfsgerechte Ernährung oberste Priorität. Die Aufgabe des Ernährungstherapeuten besteht darin, verträglich Alternativen anzubieten sowie praktische Umsetzungshilfen für den Alltag zu erarbeiten.

Beratungszeiten

Mo – Do: 07.45 – 12.30 Uhr
Mo – Do: 14.00 – 18.00 Uhr

Terminvereinbarung / Telefonsprechzeiten

Di, Mi, Do: 12.45 – 13.15 Uhr

Formen der Nahrungsmittelunverträglichkeit

Laktoseintoleranz

Bei der Laktoseintoleranz wird das Kohlenhydrat der Milch, die Laktose (Milchzucker), nicht vertragen. Hervorgerufen wird die Erkrankung durch einen Mangel an Laktase, dem Enzym, das für die Verdauung von Milchzucker zuständig ist. Findet diese Verdauungsleistung nicht statt, weil die Laktaseaktivität nicht ausreicht, so verbleibt der Milchzucker im Darm. Die Darmbakterien verstoffwechseln ihn durch Vergärung. Hierbei entstehen Gase, welche die Symptome hervorrufen.

Fruktosemalabsorption

Rebelliert der Darm insbesondere nach dem Genuss von Obst und Säften, könnte eine Fruchtzuckerunverträglichkeit vorliegen. Wir nehmen Fruchtzucker neben Obst, Obstsäften, Honig auch auf als Bestandteil von Haushaltszucker bzw. als Bestandteil industriell verwendeter Süßungsmittel.

Normalerweise wird Fruktose von den Dünndarmzellen vollständig aufgenommen und in den Körper weitergeleitet. Bei einer „Malabsorption“ ist eine Nährstoffaufnahme gestört, der Zucker wird nicht oder nur begrenzt aufgenommen. So wandert er in den Dickdarm, wo er bakteriell zu Endprodukten abgebaut wird, welche die typischen Symptome wie Darmkrämpfe, Blähungen oder Durchfall hervorrufen. Bei einer chronisch bestehenden Fruktosemalabsorption kann es darüber hinaus zu Zeichen der Depression, des Folsäure- und Zinkmangels sowie zu einer bakteriellen Fehlbesiedlung des Dünndarms kommen.

Viele Ernährungsempfehlungen im Internet verwenden Empfehlungen, die die hereditäre Fruktoseintoleranz betreffen. Es ist bekannt, dass bei Fruktosemalabsorption eine fruktosefreie oder eine zu strenge fruktosearme Kost über einen längeren Zeitraum eher zu immer größerer Empfindlichkeit anstatt zu einer Besserung führt.

Sorbitunverträglichkeit

Sorbit kommt in natürlichen Lebensmitteln vor und wird auch als Lebensmittelzusatz z.B. bei Kaugummi, Zahnpflegeprodukten, Lutschpastillen usw. eingesetzt. Wenn Sorbit nicht von der Dünndarmwand aufgenommen werden kann, werden die Sorbitmoleküle durch die Bakterien des Dickdarms unter Gasbildung verstoffwechselt.

Histaminintoleranz

Das Histamin kommt zumeist aus der Nahrung. Außerdem können eine Reihe von Medikamenten und Schadstoffen den Histaminabbau blockieren oder ebenso wie manche Nahrungsmittel zusätzlich zu einer Histaminfreisetzung führen. Die Histaminintoleranz beruht auf einem Ungleichgewicht zwischen anfallendem Histamin und der Möglichkeit, dieses abzubauen. Lesen Sie hier.

NCGS (non-celiac gluten sensitivity)

Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie Weizensensitivität

Die so genannte Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizensensitivität umschreibt die Unverträglichkeitsreaktionen auf Gluten bzw. Weizen, die nicht auf eine Zöliakie oder eine Weizenallergie zurückzuführen sind. Die Symptome stellen sich eher diffus dar und ähneln zum Teil denen des Reizdarmsyndroms. Es können aber auch Symptome auftreten wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Gelenkbeschwerden oder Gemütsveränderungen.

Gaby Lingath