Magen-, Darm- und Verdauungserkrankungen

Ernährungstherapie bei Magen-, Darm- und Verdauungserkrankungen

Ernährungstherapie bei Magen-, Darm- und Verdauungserkrankungen (Bildquelle: ©Dan Race/fotolia)

Jeder Bauch tut manchmal weh, das sollte zunächst nicht weiter beunruhigen. Wenn Symptome jedoch länger andauern, sollte man einen Arzt aufsuchen. Die Diagnostik mit medizinisch anerkannten Verfahren bildet die Grundlage für die Ernährungstherapie. Diese kann zielführend Beschwerden lindern oder sogar beseitigen und damit die Lebensqualität erheblich verbessern, ggf. die Dosierung von Medikamenten verringern und Folgeerkrankungen vermeiden helfen.

Essen: Was – Wann – Wie?

Individuelle Ernährungsmaßnahmen versus Pauschaldiäten

Ernährungstherapie bei Magen-, Darmerkrankungen ist so individuell wie die Erkrankung selbst. Es gibt keine einheitliche Ernährungsempfehlung. Das Konzept orientiert sich immer an der individuellen Symptomatik und Diagnose.

Pauschaldiäten im Internet und in Büchern erfreuen sich großer Beliebtheit. Wen wundert’s? Lässt sich doch eine Listenernährung leicht aushändigen.

Das Problem: Das bloße Berücksichtigen von Listen führt häufig zu einem „Tunnelblick“ mit falscher Schlussfolgerung darüber, was vertragen wird und was nicht. Wo bleibt da die ernährungstherapeutische Kompetenz?

Solange der Blick auf die Ernährung nicht ganzheitlich ist, muss das Ergebnis limitiert bleiben. Ein ganzheitlicher Blick berücksichtigt mehr als nur Lebensmittel im Einzelnen. Es kommt nicht nur darauf an, was man isst, sondern auch was man nicht isst, warum man es (noch) nicht isst, wie man ist, wie oft man isst und wie die Lebensmittel in den Mahlzeiten kombiniert werden. Dabei wollen auch die Gewohnheiten (Vorlieben, Abneigungen) und Möglichkeiten des Einzelnen im Alltag berücksichtigt werden.

Individuelle Ernährungstherapie schaut auf die Gesamtsituation. Dabei ist elementar, unnötige Einschränkungen zu vermeiden und die Auswahl an Lebensmitteln sukzessive zu erweitern. Jedes Nahrungsmittel trägt zur Nährstoffversorgung bei und hinterlässt eine Lücke, wenn es ersatzlos gestrichen wird. Nur wenn alle Nährstoffe ausreichend zugeführt werden, wird der Körper leistungsfähig und vital. Das bedeutet in jedem Fall eine Steigerung an Lebensqualität.

Ablauf Ernährungstherapie

1. Schritt: Gesundheits- und Ernährungsanamnese

2. Schritt: Beratungsschwerpunkte festlegen

3. Schritt: Beratungszeitraum definieren

4. Schritt: Umsetzung und Dauerernährung

Inhalte der Ernährungstherapie

1. Schritt: Eine genaue Anamnese ist die Grundlage für die weitere Vorgehensweise

  • Sichtung aller Labor- und Untersuchungsergebnisse. Mitgebrachte Befunde helfen, die Ausgangssituation besser zu bewerten. Wie ist die aktuelle Krankheitsaktivität? Welche Medikamente werden eingenommen?
  • Ausschluss oder Berücksichtigung von bisher nicht erkannten Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Auswertung des mitgebrachten Ernährungstagebuchs. Wie ist der Ernährungszustand, wie das bisherige Essverhalten? Welche Beschwerden / Symptome bestehen? Dieses erleichtert, Zusammenhänge zwischen Ernährung und Beschwerden aufzudecken. Ihre Ernährungsgewohnheiten zeigen den Weg, um eine für Sie passgenaue Lösung zu erarbeiten.
  • Identifikation von Stressauslösern
  • Individuelle Zieldefinition der Ernährungstherapie

Die Auswertung der beschriebenen Kriterien entscheidet über den Schwerpunkt der ernährungstherapeutischen Empfehlungen.

2. Schritt: Beratungsschwerpunkte definieren

Die Vorgehensweise bei Magen- Darm- und Verdauungserkrankungen findet inhaltlich auf verschiedenen Ebenen statt. Das diätetische Gesamtkonzept und die Beratungsschwerpunkte sind abhängig von der individuellen Problematik und der Diagnose.

  • Individuelle Ernährungsanpassung hinsichtlich schlecht verträglicher Lebensmittel
  • Beseitigung eines möglichen Nährstoffdefizits aufgrund einseitiger Ernährung
  • Unterstützung bei der Umsetzung durch alltagstaugliche Empfehlungen wie Planung und Struktur der Mahlzeiten
  • Anregungen für Speisepläne
  • Ggf. Einsatz bestimmter Probiotika / Darmsanierung.
  • Ggf. Stressmanagement

3. Schritt: Beratungszeitraum definieren

In Einzelsitzungen werden Sie persönlich beraten und begleitet. Die Dauer des Beratungszeitraums ist von dem Ziel abhängig, das Sie erreichen möchten.

4. Schritt: Umsetzung & Dauerernährung

Das wichtigste Ziel der Ernährungstherapie bei Magen-, Darm- und Verdauungserkrankungen ist die Linderung der Beschwerden durch Ernährungsumstellung bei gleichzeitiger Vermeidung von Fehl- und Mangelernährung aufgrund ggf. eingeschränkter Lebensmittelzufuhr. Je nach Grunderkrankung kann durch eine Ernährungstherapie auch der Verlauf einer Erkrankung positiv beeinflusst werden.

Beratungszeiten

Montag – Donnerstag: 07.45 – 12.30 Uhr
Montag – Donnerstag: 14.00 – 18.00 Uhr

Terminvereinbarung / Telefonsprechzeiten

Dienstag, Mittwoch, Donnerstag 12.45 – 13.15 Uhr

Bei folgenden Erkrankungen stellt Ernährungstherapie eine wichtige Begleitmaßnahme dar:

Speiseröhre & Magen

  • Refluxösophagitis
  • Gastritis
  • Reizmagen
  • Zustand nach Magen-OP
  • Eosinophile Ösophagitis

Verdauung

Verstopfung (Obstipation)

Der Begriff „normaler Stuhlgang“ umfasst eine weite Spanne. Von dreimal täglich bis dreimal wöchentlich liegt alles im normalen Bereich. Wann spricht man von Obstipation? Eine Verstopfung liegt dann vor, wenn es seltener als alle drei Tage zu einer spontanen Entleerung des Darms kommt und / oder der Stuhl zu hart ist, sodass Probleme beim Absetzen auftreten. Wenn die Verstopfung länger als sechs Monate andauert, spricht man von einer chronischen Obstipation.

Durchfall (Diarrhoe)

Durchfall ist Stuhl, der bei Erwachsenen mehr als dreimal täglich auftritt, in der Menge vermehrt und / oder dünn ist. Prinzipiell kann man zwischen dem plötzlich einsetzenden (akuten) und dem länger als zwei Wochen andauernden (chronischen) Durchfall unterscheiden.

In jedem Fall ist es wichtig, die Ursache der Verdauungsstörung medizinisch abzuklären.

Reizdarmsyndrom / Leaky-Gut-Syndrom

Man unterscheidet beim Reizdarmsyndrom (RDS) vier Typen:

  • Diarrhö-Typ: Täglich mehr als drei Darmentleerungen
  • Obstipations-Typ: Wöchentlich weniger als drei Darmentleerungen
  • Schmerz-Typ: Krampfartige Schmerzen, ausgelöst durch eine übermäßige Bewegung des Darms
  • Meteorismus-Typ: Blähbauch, Flatulenzen

Blähungen – Alles nur heiße Luft?

Die Lebensmittelauswahl und der bevorzugte Ernährungsstil passen nicht immer zu den physiologischen Fähigkeiten unseres Körpers. Das Wissen um physiologische Prozesse und sichere Kenntnisse um die reine Organphysiologie sind hier hilfreich. Daher geht es in der Ernährungstherapie auch um die „Sprechstunde Physiologie “

Das Leaky-Gut Syndrom

Der Begriff Leaky-Gut ist eher von Bedeutung beim Reizdarmsyndrom (RDS) als bei einer
Nahrungsmittelallergie. Leaky-gut bedeutet durchlässiger Darm. Die Barrierefunktion des Darmes ist hier nicht mehr intakt. Als Barriere zwischen der Außenwelt und dem Körper wird entschieden, welche Stoffe aufgenommen werden und welche nicht. Ist die Barrierefunktion bzw. die Durchlässigkeit des Darms verändert, können Beschwerden die Folge sein.

Bei anhaltenden Darmbeschwerden ist als Ursache aber nicht das Leaky-Gut-Syndrom verantwortlich. Vielmehr müssen andere Ursachen primär in Betracht gezogen werden.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED)

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa stellen für die konkrete Lebensmittelauswahl der Betroffenen eine besondere Herausforderung dar. So werden typische Symptome wie Verdauungsbeschwerden, Stuhlunregelmäßigkeiten, Durchfall, Bauchschmerzen, Übelkeit und Gewichtsverlust direkt mit der Nahrungsaufnahme in Verbindung gebracht, da sie oftmals nach dem Essen auftreten. Demzufolge besteht eine große Unsicherheit darüber, was sie essen und trinken können, um einerseits Beschwerden und andererseits eine Mangelernährung zu vermeiden. Denn ein schlechter Ernährungszustand wirkt sich ungünstig auf die Krankheitsaktivität aus.

Qualifizierte Ernährungstherapie leistet einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität der an Morbus Crohn und Colitis ulcerosa Erkrankten. Es ist jedoch falsch zu glauben, dass es ein allgemein gültiges Ernährungskonzept für CED gibt. Die erfolgreiche Ernährungstherapie muss in hohem Maße die individuellen Gegebenheiten des Betroffenen berücksichtigen.

Enddarmerkrankungen

Divertikelkrankheit

Die Divertikelkrankheit – ob unkompliziert oder kompliziert, wirft Fragen in der Ernährungstherapie auf. Solange die Divertikel keine Beschwerden bereiten, fällt keinem Divertikelträger auf, dass er sie bereits hat. Dabei ist das Wissen um die Prävention einer Divertikulitis wichtig. Denn wehe, wenn sich die Divertikel entzünden und Komplikationen auftreten.

Fissuren, Hämorrhoiden, Marisken und Proktitis

Fissuren, Hämorrhoiden, Marisken und Proktitis – häufig verschwiegen – aber vorhanden. Solche Entzündungen und anatomische Veränderungen im Enddarm schränken die Lebensqualität der Betroffenen deutlich ein. Sie verursachen Störungen bei der Stuhlentleerung, welche wiederum maßgeblichen Einfluss auf die ernährungstherapeutische Arbeit nehmen.

Kurzdarmsyndrom

Bei einem Kurzdarmsyndrom ist die Darmfunktion in Folge einer Entfernung des Darms so stark eingeschränkt, dass die Ver­dauung und Aufnahme von Nähr­stoffen, Flüssigkeit und Mineralien nur mit speziellen Maßnahmen aufrecht erhal­ten werden kann. Die Ernährung muss an die veränderten physiologischen Bedingungen angepasst werden.

Leber / Gallenblase Bauchspeicheldrüse

  • NAFLD – nicht alkoholische Fettlebererkrankungen
  • Gallensteine
  • Zustand nach Gallenblasenentfernung
  • Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) akut oder chronisch

Ernährungstherapie und Darmsanierung

Die Bedeutung des Darms

Die Kraft des Baumes liegt bekanntlich nicht in seinen Ästen oder Zweigen, sondern in seinen Wurzeln. Dementsprechend stammt auch die biologische Kraft des Menschen nicht aus seinen Armen oder Beinen, sondern aus seinem Wurzelorganismus, den Verdauungsorganen. Der Darm verarbeitet die aufgenommene Nahrung, entnimmt daraus die lebenswichtigen Nährstoffe und beliefert damit den Organismus. Da der Darm auch Abfall und „Müll“ des Stoffwechsels ausscheidet, besitzt er für die gesamte Gesundheit des Menschen eine grundlegende Bedeutung.

Symptome wie z.B. aufgetriebener Bauch, Blähungen, Darmträgheit, gärig-breiige Stühle, Müdigkeit, depressive Verstimmungen können immer auch auf Fehlleistungen im Wurzelsystem hinweisen. Wie sich bei der Pflanze eine Erkrankung der Wurzeln auf alles, auf Zweige, Blätter, Blüten und Früchte auswirkt, so zieht auch jede anhaltende Fehlleistung des Verdauungsapparates früher oder später den ganzen Organismus in Mitleidenschaft.

Mikrobiom

Das Mikrobiom bezeichnet die Gesamtheit aller Mikroorganismen (v.a. Bakterien, aber auch Pilze) im Menschen. Die Mikroben, die im Darm leben (intestinales Mikrobiom), sind besonders zahlreich. Sie können bis zu 2 kg des Körpergewichtes ausmachen.

Aufgaben der „guten“ Darmbakterien: sie verhindern die Ansiedlung von Krankheitserregern, sie schließen unverdauliche Nahrungsbestandteile (Ballaststoffe) auf, sie produzieren einige Vitamine, sie „trainieren“ das Immunsystem (Allergieprävention), sie bauen Schadstoffe aus der Nahrung ab. Sind die positiven Bakterien vermindert, können sich unerwünschte Bakterien ungehindert vermehren.

Das stört die Darmflora: falsche und einseitige Ernährung, zu schnelles Essen, Umweltschadstoffe, Lebensmittelzusatzstoffe z.B. Konservierungs- und Farbstoffe in Nahrung und Getränken, manche Medikamente, Stress, Alkohol und Nikotin

Darmsanierung (probiotische Darm-Therapie)

Die Zusammensetzung unserer Darmflora wird in erster Linie durch unsere Ernährung bestimmt. In der Ernährungstherapie werden je nach aktueller Ernährungssituation, Krankheitsbild und Symptomen, individuelle Lösungen für eine schützende Ernährung der Darmschleimhaut erarbeitet und angeleitet.

Mit dieser Maßnahme wird eine gesunde Darmflora erhalten oder wiederhergestellt und das mit dem Darm verbundene Immunsystem stabilisiert oder stimuliert. Die Wahl des Probiotikums richtet sich – wie die Umstellung der Ernährung – nach dem Krankheitsbild, nach den Symptomen, nach den einnehmenden Medikamenten und ggf. nach dem Befund einer Stuhlprobe.

Gaby Lingath