Essstörungen

Ernährungstherapie bei Essstörungen. Appetit auf Leben.

Ernährungstherapie bei Essstörungen (Bildquelle: ©LAWJR/pixabay)

Essstörungen entstehen nicht von heute auf morgen. Sie entwickeln sich, und die Übergänge von einer „merkwürdigen“ Essweise zu einer krankhaften Störung sind fließend.

Möglicherweise haben Sie eine Essstörung, wenn …

  • Sie Ihr Gewicht sehr streng kontrollieren
  • Sie sich vorwiegend mit anderen, Ihnen schlanker erscheinenden Menschen vergleichen
  • Sie nur noch nach Diätplänen essen und sich spontanes lustvolles Essen verbieten
  • Sie ständig noch mehr von sich und Ihren Leistungen erwarten
  • Sie häufig bei Misserfolgen, Enttäuschungen und negativen Gefühlen zum Essen greifen (Frustessen)
  • Essen zur Ersatzhandlung wird statt satt macht
  • Sie das Maß für die vernünftige Menge beim Essen verloren haben und selbst kleinste Mahlzeiten als üppig erleben
  • Sie Lebensmittel in „gut“ und „schlecht oder gefährlich“ einteilen
  • Sie weder Hunger noch Sättigungsgefühl mehr spüren
  • Sie ohne Kontrolle mal viel, mal wenig essen und unter hemmungslosen Essanfällen leiden

Das Anti-Diät-Prinzip

Die Ernährungstherapie bei Essstörungen wendet sich gegen diätetische Einschränkungen und Light-Produkte. Sie will den Betroffenen ermöglichen, wieder auf die eigenen Körpersignale zu hören und nach Hunger und Sättigung zu essen. Ziel ist es, regelmäßige Mahlzeiten einzunehmen. Auch vermeintlich ungesunde Lebensmittel, wie Süßigkeiten und Fast Food, sind – in Maßen – Teil der Ernährung.

Ablauf Ernährungstherapie

1. Schritt: Gesundheits- und Ernährungsanamnese

2. Schritt: Persönlicher Ernährungsplan

3. Schritt: Beratungsschwerpunkte festlegen

4. Schritt: Beratungszeitraum definieren

5. Schritt: Umsetzen und am Ball bleiben

Inhalte der Ernährungstherapie

Die ambulante Ernährungstherapie ist ein Teil des gesamten Therapiekonzeptes (Medizin, Psychotherapie, Oecotrophologie). Sie ist zuständig für die ernährungswissenschaftlichen Inhalte, für die Veränderung des Essverhaltens und für die Regulation des Körpergewichts.

1. Schritt: Eine genaue Anamnese ist die Grundlage für die weitere Vorgehensweise

  • Medizinische Anamnese: Sichtung der ärztlichen Diagnose und Labordaten
  • Ernährungsanamnese: Verstehen des Krankheitsverlaufs, Rückmeldung zum Erstprotokoll
  • Anleitung zur Führung eines Ernährungsprotokolls
  • Individuelle Zieldefinition der Ernährungstherapie

2. Schritt: Persönlicher Ernährungsplan

Der Ernährungsplan bei Essstörungen ist immer individuell. Er geht auf folgende Aspekte ein:

  • Struktur und Planung der Mahlzeiten
  • Definition von Portionsgrößen in Anlehnung an den individuellen Bedarf
  • Statt Kalorienvorgaben alltagstaugliche Mengenempfehlungen, z. B. Scheiben, Tassen, Esslöffel etc..
  • Definition der Zusammensetzung der Mahlzeiten
  • Ausgewogene Zufuhr an allen Nährstoffen nach DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung)
  • Berücksichtigung individueller Vorlieben und Abneigungen
  • Sukzessives Integrieren von bisher „verbotenen“ Lebensmitteln
  • Ideen für den Speiseplan

3. Schritt: Beratungsschwerpunkte festlegen

Die ernährungstherapeutischen Inhalte Inhalte sind abhängig von der Art der Essstörungen und vom Ergebnis der Anamnese.

Folgende Punkte können eine Rolle spielen:

  • Vereinbarung von Teilzielen
  • Überprüfung der Gewichtsvereinbarung
  • Rahmenbedingungen zum Essverhalten
  • Wahrnehmung von Hunger und Sättigung
  • Körperachtsamkeit
  • Sprechen über Zweifel oder Befürchtungen während der Ernährungstherapie
  • Erkennen der Zusammenhänge zwischen Essanfälle und Essverhalten und Erarbeiten alternativer
    Verhaltensweisen
  • Schrittweises Hinführen von strengem Essverhalten zu zunehmend flexiblerem Essverhalten
  • Stabiliesierungsabsprachen

4. Schritt: Beratungszeitraum definieren

In Einzelsitzungen werden Sie persönlich beraten und begleitet. Die Dauer des Beratungszeitraums ist von dem Ziel abhängig, das Sie erreichen möchten.          

5. Schritt: Umsetzen und am Ball bleiben

Der Erfolg hängt von mehreren Kriterien ab. In jedem Fall ist er nicht allein am Gewicht festzumachen, denn Symptome einer Essstörung sind weitaus komplexer. Entscheidend ist es, ein rigides ungesundes Essverhalten Schritt für Schritt in ein flexibleres und günstigeres Essverhalten zu wandeln.

Elemente aus dem Coaching tragen dazu bei, konkrete Handlungsanleitungen und persönliche Zielsetzungen stabil in Anwendung zu bringen. Dies wiederum stärkt das Selbstwertgefühl und die Kompetenz in die eigene Handlungsfähigkeit. Neu gewonnenes Vertrauen in das als positiv erlebte Essverhalten ebnet den Weg in ein langfristig ausgewogenes Ess- und Ernährungsverhalten.

Beratungszeiten

Mo – Do: 07.45 – 12.30 Uhr
Mo – Do: 14.00 – 18.00 Uhr

Terminvereinbarung / Telefonsprechzeiten

Di, Mi, Do: 12.45 – 13.15 Uhr

Es werden folgende Formen von Essstörungen unterschieden:

  • Anorexia nervosa oder Magersucht
  • Bulimia nervosa oder Fress-Brecht-Sucht
  • Orthorexia nervosa oder „krankhaftes Gesundessen“
  • Adipositas oder Fettsucht

Bei Adipositas ist häufig zu finden:

  • „binge-eating Störung“ (Rauschesser)
  • „overeaters“ (chronische Überesser)
  • „night-eating syndrom“ (nächtliches Essen)
  • „craving“ (Essgier)
  • „grazing“ (Essen von vielen kleinen Mahlzeiten am Tag)

Was ist das Ziel der Ernährungstherapie bei Essstörungen?

Wichtiges Ziel ist es, ein gesundes Körpergewicht zu erreichen und ein Essverhalten anzustreben, welches in ausgewogener Weise Kohlenhydrate, Fett und Eiweiß enthält. Die Liste an verbotenen Speisen soll schrittweise abgebaut und regelmäßige Mahlzeiten eingehalten werden.

Letztlich geht es darum, wieder nach Hunger und Sättigung zu essen. Für Sie heißt das, Ihre Körpersignale wieder zu beachten, sie deuten zu lernen und den Mut aufzubringen, beim Essen mit Mengen und Lebensmittelauswahl zu experimentieren, bis sich Hunger und Sättigung wieder zuverlässig einstellen. Rückfälle in alte Verhaltensmuster sind dabei normal. In der Ernährungstherapie lernen Sie, angemessen damit umzugehen.

Das Ziel der Ernährungstherapie ist erreicht, wenn Sie von sich sagen können: „Ich esse wieder gerne und alles was mir schmeckt“, wenn sie dabei ein gesundes Körpergewicht haben und sich ausreichend und ausgewogen ernähren.

Gaby Lingath